7 Gründe, weshalb Dating-Plattformen scheitern
Fünf Gründe, weshalb Dating-Plattformen scheitern
11 Mrz 2015 Autor:

Monat für Monat erblicken immer wieder neue Singlebörsen, Online-Partnervermittlungen oder Casual-Dating-Portale das Licht im deutschen Dating-Markt. Waren es vor wenigen Jahren noch die klassischen Webportale, sind es heute vielmehr Apps für iOS- und Android Smartphones. Verlockend sind zum einen die möglichen zu erzielenden Umsätze und zum anderen die in der heutigen Zeit recht einfach zu nehmenden technischen Einstiegshürden.

Allein über die Sinnhaftigkeit dieser Neugründungen lässt sich lange und ausführlich diskutieren. Das Thema „Gründung einer Dating-Plattform“ wollen wir jedoch nicht an dieser Stelle beleuchten, sondern vielmehr auf die Stolpersteine einer Neugründung, die Herausforderungen des Betriebs eines Dating-Angebots und der damit einhergehenden Risiken eingehen. Uns beschäftigt in den nächsten Absätzen folgende Frage:
Woran scheitern eigentlich Dating-Anbieter? Wo liegen die größten Herausforderungen?

Die fehlende (aktive) kritische Masse

Die Königsdisziplin: Kundenbindung!

Die Königsdisziplin: Kundenbindung! (Foto: pixabay.com/ Lizenz: cc.by)

Fangen wir mit dem wichtigsten Punkt an – die notwendige kritische Masse in einer Singlebörse. Was bedeutet „kritische Masse“ überhaupt? Eine Dating-Plattform lässt sich am besten mit einem Marktplatz vergleichen. Sehr einfach betrachtet gibt es auf der einen Seite Personen, die nach einem Partner suchen. Auf der anderen Seite gibt es Personen, die ein Partnergesuch aufgeben. Dem einen oder anderen ist dieses Prinzip unter den Begriffen „Angebot“ und „Nachfrage“ bekannt.

Genau genommen, müsste man nun noch nach Geschlecht, Alter und Wohnort unterscheiden, was wir jedoch an dieser Stelle nicht betrachten wollen.

Nun stellen sie sich folgendes vor: Sie melden sich bei der neu gegründeten Singlebörse an und sind das zehnte Mitglied. Sie erstellen ihr Profil und führen eine Suche nach den vorhandenen Mitgliedern durch. Sie erhalten in diesem Fall maximal neun Treffer. Puh, nicht gerade viel, oder? Nun spinnen wir den Gedanken weiter: Sie wollen unbedingt einen Partner mit blonden Haaren. Von den neun möglichen Treffern haben nur zwei Personen blonde Haare. Von diesen zwei Mitgliedern scheidet eine Person aus, weil diese nicht in ihr (optisches) Beuteschema fällt.

Es bleibt also eine einzige Person, die sie nun kontaktieren können. Das ist natürlich zu wenig… die Wahrscheinlichkeit, dass sie beide dann noch auf einer Wellenlänge liegen, ist dann doch eher gering. Die „kritische Masse“ beschreibt also die Anzahl der Mitglieder, die auf der Plattform angemeldet und aktiv auf der Suche nach einem Partner sind. Wie geschrieben: Eigentlich müssten wir nun noch weitere Kriterien betrachten, um die tatsächliche kritische Masse zu definieren.

Beispiel: Als heterosexueller Mann werden Sie sicherlich auf einer Plattform nicht glücklich, auf denen zwar 100.000 aktive Männer unterwegs sind, aber nur eine Handvoll Frauen.

Zu geringer Anteil an Frauen im Dienst

Und damit sind wir auch schon beim zweiten Punkt, der für jeden Singlebörsen-Betreiber von entscheidender Bedeutung ist: die Anzahl angemeldeter und aktiver Frauen.

Um dieses Problem ebenfalls etwas greifbarer zu machen, wollen wir ein Beispiel aus der Offline-Welt anführen, welches den meisten Disco- und Partygängern bekannt sein sollte. „Eintritt frei für Ladies“, „10 Freigetränke für Frauen“. So locken Bars und Discotheken Frauen. An dieser Stelle sei es nun dahingestellt, ob dieses Konzept immer aufgeht, jedoch haben diese Werbemaßnahmen zwei Dinge zur Folge.

Erstens wird die ein oder andere Frau zumindest darüber nachdenken, hier den Abend zu starten.

Zweitens werden die Männer gerne eine solche Location aufsuchen, da hier ja eventuell ein hoher Frauenanteil herrscht.

So ähnlich ticken auch unterschiedliche Dating-Anbieter. Frauen dürfen kostenlos reinschnuppern oder den kompletten Dienst dauerhaft gratis nutzen. Männer müssen hingegen zahlen und können hingegen hoffen, dass viele Frauen im Dienst angemeldet sind, die nur darauf warten, angeschrieben zu werden.

In der Realität haben jedoch die meisten Singlebörsen ein unausgewogenes (und mitunter miserables) Männer- / Frauenverhältnis. Auf eine Frau kommen so gut und gerne 3-5 Männer. Das weder für Männer als auch für Frauen Spaß. Die Konsequenz aus diesem Missverhältnis: Frauen werden mit Nachrichten bombardiert und Männer erhalten nur selten eine Antwort.

Preislicher Wettbewerbsnachteil

Kommen wir zum nächsten nicht unwichtigen Punkt: Der Preis! Sofern Sie sich noch nicht für eine Singlebörse entschieden haben, werden Sie eventuell vor der Frage stehen, ob Sie bereit sind, für eine Dating-Plattform Geld zu investieren.

Der Preis spielt eine große Rolle

Der Preis spielt eine große Rolle (Foto: pixabay.com; Lizenz: cc.by)

Vorweg: Nahezu jede Singlebörse will beziehungsweise muss kostendeckend arbeiten. Kleinere (und privat betriebene) Singlebörsen schaffen das noch durch das Schalten von Werbung. Vorteil für den Betreiber: Die Einnahmen sind recht gut planbar. Der administrative Aufwand hält sich ebenfalls in Grenzen; immerhin muss man sich mit keinen Kündigungen, Widerrufen oder Rückzahlungen herumschlagen. Nachteil: Hierdurch wird der Betreiber sicherlich nicht reich und muss jeden Cent zweimal umdrehen. Großangelegte Werbemaßnahmen sind meist nicht machbar. Die eigene Marke und damit die komplette Singlebörse wird sich nur schwerlich im umkämpften Dating-Markt etablieren können (Stichwort: Markenbekanntheit).

Also, was bleibt: das sogenannte Abo-Modell. Für einen festgelegten Beitrag (der meist monatlich berechnet wird) darf das Mitglied alle Funktionen der Plattform nutzen. Logisch – es werden die aus Nutzersicht wichtigen Funktionen kostenpflichtig gestaltet (meist ist es der Nachrichtenversand).

Da im deutschen Markt einige wenige Dating-Anbieter den Markt beherrschen, müssen sich kleinere oder neue Anbieter genau mit diesen Angeboten messen. Und das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Preis. Die Frage und Rechnung ist dabei (zumindest für die erfolgreichen Singlebörsen-Betreiber) einfach: Wie günstig kann oder muss ich mein Modell gestalten, dass möglichst viele Mitglieder sich für die kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft entscheiden?

Dabei gilt: Es lohnt eher, den Preis für ein Abo günstiger anzubieten, da ein zahlender Kunde länger aktiv im Dienst ist, als ein nicht-zahlender Kunde. Auch dieses Phänomen kennen Sie eventuell von sich selbst: Zahlen Sie erst einmal einen monatlichen Beitrag für etwas (zum Beispiel für das Fitness-Studio) nehmen Sie die Leistung häufiger in Anspruch.

Sie merken an dieser Stelle schon: Punkt 2 und Punkt 3 zahlen zu einem entscheidenden Anteil auf Punkt 1 ein – die kritische Masse.

Unechte Profile

Fake-Profile sind häufig schwer zu erkennen

Fake-Profile sind häufig schwer zu erkennen (Foto: pixabay.com; Lizenz: cc.by)

Um die kritische Masse zu erhöhen, gehen einige Anbieter mitunter unseriöse Wege. Um die scheinbare Masse an Mitgliedern, die kontaktiert werden können, zu erhöhen, werden Scheinprofile angelegt (so genannte Fake-Profile). Gutgläubige Singles, verzweifelte Personen oder Einsteiger in die Online-Dating-Welt werden gezielt getäuscht und erliegen der Verlockung, eine teure Premium-Mitgliedschaft abzuschließen.

Andere Partnerbörsen haben schlicht und einfach das Problem der unechten Profile nicht im Griff. Hierbei steht meist keine böse Absicht hinter, sondern es wird schlicht und einfach versäumt, die angemeldeten Mitglieder genau zu prüfen.

Fatal wird es für den Anbieter, sobald es sich herumspricht, dass einem nur Fakes in der jeweiligen Singlebörse begegnen.

Fehlendes mobiles Dating-Konzept

Mobil first: Die Strategie vieler Anbieter

Mobil first: Die Strategie vieler Anbieter (Bild: pixabay.com, Lizenz: cc.by)

Kommen wir zu einem extrem wichtigen Punkt in der heutigen Zeit. Die Welt (und Deutschland) geht zunehmen mobil ins Internet. Besonders die alteingesessenen Anbieter tun sich schwer, die vorhandene Dating-Lösung in die mobile Welt zu überführen.
So werden bestehende Funktionen mit Gewalt in die App-Welt überführt, obwohl es mitunter gar nicht notwendig wäre. Die Fokussierung entscheidet in diesem Fall über Erfolg oder Misserfolg.

Welche Funktionen wollen sie überhaupt mobil nutzen? Na ja, sicherlich die notwendigsten Dinge:

  • Sie wollen ihr eigenes Profil bearbeiten können
  • Sie wollen eine Suche durchführen können
  • Sie wollen sich die Mitglieder genauer anschauen
  • Sie wollen einen möglichen Flirtpartner kontaktieren können
  • Sie wollen Ihre Besucher sehen oder sehen, wer sie mag
  • Sie wollen sehen, welcher Single sich in Ihrer Nähe aufhält

Mit diesen sechs Punkten haben wir die wichtigsten Punkte einer Flirt-App zusammengetragen. Alle weiteren Funktionen sind hübsches, jedoch mitunter zu vernachlässigbares Beiwerk.

Wir wagen an dieser Stelle eine Prognose: Alle Anbieter, die bis Ende dieses Jahres keine lauffähige mobile Flirt-App oder eine mobile Variante für den Browser bereitgestellt hat, wird zukünftig keine große Rolle mehr im deutschen Dating-Markt spielen.

Klar, die hier aufgeführten Punkte kratzen lediglich nur an der Oberfläche des Ökosystems „Dating“. Nichts desto trotz sind es die bestimmenden Faktoren, mit denen sich die Macher hinter den unterschiedlichen Angeboten Tag für Tag auseinandersetzen müssen. Wird nur einer dieser Punkte vernachlässigt, stehen einem schwere Zeiten bevor. Denn auch hier gilt der Spruch: Der Wettbewerb schläft nicht!

2 Comments
  1. Guter Artikel. Ein weiterer wichtiger Punkt: Das fehlende Alleinstellungsmerkmal. Viele Singlebörsen sind einfach zu identisch und damit komplett austauschbar.

    • Hallo Thommie,

      natürlich ist das ein weiterer Punkt, über den man in diesem Zusammenhang schreiben kann. Unserer Meinung nach jedoch nicht der entscheidene.

      Ich möchte das kurz erläutern. Ein Alleinstellungsmerkmal hilft einem Anbieter sein Produkt unter anderem Marketing-seitig besser und einfacher zu platzieren. So war es vor einigen Jahren innovativ und aussergewöhnlich, als LOVOO sein Flirt-Radar integriert hat. Sowohl klassische Presse als auch unterschiedliche Online-Medien + Blogs waren begeistert und haben diese Funktion gefeiert.

      Auf Seiten des Kunden wurden diese Funktion ebenfalls dankend angenommen; jedoch war bzw. ist dieses Feature nur das Einstigesszenario. Schnell wenden sich die Mitglieder der klassischen Suche innerhalb des Produkts zu und finden über diese die möglichen Flirtpartner.

      An diesem Beispiel sieht man, dass ein Alleinstellungsmerkmal zwar nett und teilweise hilfreich ist, jedoch aus Sicht des Kunden nicht Kernfeature ist. Ebenso sind Alleinstellungsmerkmale vergänglich. Es dauert meist nicht lange, bis ein solches Merkmal von Wettbewerbern kopiert wird. Und spätestens dann, kann man nicht mehr von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen.

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